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Weltfrauentag am 8. März: Ist er heutzutage noch wichtig?

Weltfrauentag am 8. März: Ist er heutzutage noch wichtig?

Mittlerweile dürfen Frauen doch überall auf der Welt wählen – hat der Weltfrauentag am 8. März da überhaupt noch eine Bedeutung? Ist es noch wichtig, über die Rolle der Frauen nachzudenken? Sind sie den Männern heutzutage nicht gleichgestellt?

Wahlrecht für die Frau: Die aktuelle Situation

Zumindest offiziell ist es geschafft: 2015 räumte auch Saudi-Arabien als letzter von der internationalen Gemeinschaft anerkannter Staat Frauen das Wahlrecht ein. Auf dem Papier ist also alles gut – aber wie sieht es in der Realität aus? Wenn wir beim Beispiel Saudi-Arabien bleiben, ist von einer wirklichen Gleichberechtigung noch längst nicht zu sprechen. Frauen sind dort noch immer abhängig von Männern. Seit 2018 dürfen sie zwar offiziell Auto fahren, aber um zu reisen, zu arbeiten oder auch ein Bankkonto zu eröffnen, benötigen sie noch immer die Erlaubnis eines Mannes. Das ist in den meisten Fällen der Ehemann, kann aber auch der Vater, Bruder oder Onkel sein. Wenn sie arbeiten, dürfen sie sich übrigens nicht im selben Raum aufhalten wie ihre männlichen Kollegen.

Dieses Bild setzte sich auch in den Ergebnissen der Wahlen fort. Bei den Kommunalwahlen 2015, der einzigen Möglichkeit, die politische Lage im Königreich mitzugestalten, wurden nur 20 Frauen in die Kommunalräte gewählt. Zum Vergleich: 2100 Sitze gibt es insgesamt. 7.000 Kandidaten hatten sich beworben, 979 davon waren weiblich. Von den ca. 1,5 Millionen Stimmen kamen nur ca. 130.000 von Frauen.

Weltweit besetzten Frauen in 2019 laut dem Global Gender Gap Report 2020 25.2 % der Parlamentssitze und 21.2 % der Ministerpositionen.

So viele Einschränkungen für Frauen: Woran liegt’s?

Was uns hierzulande etwas abstrus vorkommt, ist leider in vielen Ländern noch Realität. Nicht selten sind die Ursachen in der Religion zu finden. In Saudi-Arabien z. B. wird das islamische Gesetzt der Scharia besonders streng ausgelegt. Schon der letzte König Abdullah hatte einige Reformen angestoßen, die den Frauen deutlich mehr Rechte zugestehen. Sehr zum Missfallen einiger hoher Geistlicher.   

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der der Gleichberechtigung von Frauen entgegenstehen kann, sind Traditionen. Nehmen wir den afrikanischen Kontinent: Experten gehen davon aus, dass immer noch ein Fünftel aller Mädchen verheiratet werden, sich ihren Ehemann oder den Zeitpunkt der Eheschließung also nicht selbst aussuchen dürfen. Des Weiteren spielen auch die Bildung sowie die wirtschaftliche Lage eine große Rolle bei der Selbstverwirklichung der Frau. Der Besuch einer weiterführenden Schule ermöglicht vielen Mädchen, sich mit möglichen Konzepten der Gleichberechtigung auseinanderzusetzen, aber auch, eine Ausbildung zu erhalten und somit ihr Leben unabhängiger zu gestalten. Eine solche weiterführende Schule können sich vor allem arme Familien aber nur selten leisten. Die Eltern sind auf die Mithilfe der Kinder angewiesen. Und auch an sexueller Aufklärung oder dem Geld für Verhütungsmittel mangelt es oft. So bekommen viele Mädchen schon früh Kinder – weit, bevor sie sich mit Themen wie Gleichberechtigung auseinandersetzen können.

Kann der Weltfrauentag am 8. März die Situation wirklich ändern?

Natürlich wäre es utopisch zu glauben, dass ein einziger Tag die Situation der Frauen weltweit verbessern könnte. Das ist aber auch gar nicht das Ziel vom Weltfrauentag am 8. März. Vielmehr soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass das Ziel einer kompletten Gleichberechtigung noch längst nicht erreicht ist.

Dieses Jahr steht der Weltfrauentag unter dem Thema „I am Generation Equality: Realizing Women’s Rights“ und komplementiert somit die große UN-Kampagne „Generation Equality“ zum 25-jährigen Jubiläum der „Beijing Declaration and Platform for Action“. Dieses Dokument wurde auf der vierten Weltfrauenkonferenz 1995 verabschiedet und gilt als einer der fortschrittlichsten Pläne zur Stärkung der Frauen und Mädchen weltweit.

Ziel vom Weltfrauentag am 8. März ist es dementsprechend, zu untersuchen, welcher Fortschritt nach Beijing wirklich erzielt werden konnte. Auch weitere wichtige Meilensteine der Frauenrechtsbewegung feiern dieses Jahr Jubiläum: Vor 20 Jahren wurde die UN-Resolution 1325 zu Frauen, Frieden und Sicherheit verabschiedet. 10 Jahre später wurde die UN Women gegründet.

Zu welchem Urteil werden die Untersuchungen kommen?

Generell ist sich die Weltgemeinschaft einig: Der Fortschritt für die Frauen schreitet deutlich zu langsam voran. Der Global Gender Gap Report 2020 des Weltwirtschaftsforums (WEF) kommt zu dem ernüchternden Schluss, dass es bis zu einer wahren Gleichstellung noch 99,5 Jahre dauern wird. Vor allem in wirtschaftlichen Aspekten ist eine Gleichstellung erst zu 57,8 % erreicht.

Generell sieht der Report die Lücke zwischen Männern und Frauen erst zu 68.6 % geschlossen. Die 10 letztplatzierten Staaten im Ranking konnten die Lücke sogar nur zu 40 % schließen. Noch immer gibt es 72 Staaten, in denen Frauen nicht eigenverantwortlich ein Konto eröffnen dürfen. 85 Länder hatten in den letzten 50 Jahren kein weibliches Staatsoberhaupt. In neun Staaten sind keine Frauen in der politischen Führung vertreten.

Aber bei all den düsteren Aussichten gibt es natürlich auch Lichtblicke. 35 Staaten konnten Gleichbehandlung in der Bildung erreichen. Im Gesundheitswesen konnten 48 Staaten eine Nahezu-Gleichbehandlung erreichen. 71 Staaten haben die Lücke hier zu 97 % schließen können.

An der Spitze des Gesamt-Rankings steht übrigens seit 11 Jahren Island. Der Inselstaat kommt auf einen Lückenschluss von 87,7 %, dicht gefolgt von den skandinavischen Ländern Norwegen, Finnland und Schweden.

Deutschland hat sich zwar im Vergleich zum letzten Ranking mit einem Lückenschluss von 78,7 % um vier Plätze auf Platz 10 verbessert – im ersten Ranking 2006 belegten wir aber noch Platz fünf. Auch wir können uns also auf keinen Fall auf dem gegenwärtigen Stand ausruhen. Grund genug, auch zum Weltfrauentag am 8. März die Rollenverteilung in unserer Gesellschaft kritisch zu hinterfragen!

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